Gerissen
Gerissen?
Dieses Gedicht, das wollte ich wirklich nicht schreiben
ich wollte von Herzen bei der alten Hoffnung verbleiben
auf dass Deine Liebe und Geduld nie ein Ende nehmen
und ich mich könnt’ selig an Deine heilige Schulter lehnen.
Diese Gedanken hatte ich von mir wollen rasch vertreiben
und lieber bei unsrer guten Freundschaft möchten verbleiben
ich, Dein allzeit gehorsames Kind und Du, mein lieber Vater
doch nun hast Du durchschaut unser arges Lügentheater.
Könnt’ ich diese Worte wohl noch heimlich unterdrücken
und Dich mit guter Miene zum Frieden zu uns berücken
dabei das notwendige Gericht des Todes für uns verschieben
es nicht mit meinen dummen Worten fest in Dir besiegeln.
Habe ich mit diesen Versen den Faden der Geduld bei Dir gespannt?
Wird dann dies Gedichtlein fürder ein Gericht sein für aller Mann?
Bitte lieber Vater web’ in Deinem Herz einen neuen Faden der Erbarmung
trotz all dieser unserer geistiger zu bedauernde Liebesverarmung.
Vater im Himmel, wende Dich weiterhin blind und taub von uns ab
schau nicht hinein in dieses dunkle stinkende Menschensgrab
in welches wir uns selbst haben eitel hinein geschmissen
Vater, ich bete Dein Faden der Liebe sei noch lange nicht gerissen.
Vergiss’ meine Worte, tu so, als hättest Du sie nie gehört
und lass uns weiterhin gegen Dich sündigen, ganz ungestört
ich werde dann ruhelos beten für die Menschenseelen auf Erden
aber lass uns die Freiheit die Früchte unserer Taten zu erben.

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